Arkham Horror
30.September 2007 Björn Lippold
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Richard Launius, Kevin Wilson Arkham Horror Heidelberger Spieleverlag 1-8 Spieler, ab 12 Jahre, 2-4 Stunden ISBN 1-58994-210-8 Kevin Wilson |
Arkham, Massachusets wäre eine unbedeutende Kleinstadt, wenn nicht dunkle Mächte ausgerechnet hier ihren Ursprung nehmen würden. In Arkham öffnen sich Portale in ferne Welten, in denen finstere Wesen existieren, die unter dem Namen die Großen Alten bekannt sind. 1926 versuchen diese uralten Gottheiten in die Realität heranzubrechen und öffnen dafür Portale, durch die sie ihre absonderlichen Kreaturen schicken. Nur ein paar unabhängige Ermittler können den Kampf aufnehmen und versuchen, eine Katastrophe zu verhindern.
Arkham Horror ist ein Brettspiel, das vor dem Hintergrund des Cthulhu-Mythos spielt. Tatsächlich ist die ursprüngliche Version des Spiels inzwischen fast 20 Jahre alt, so daß sich die Frage stellt, wie sich das Spiel aus heutiger Sicht bewährt. Die erste Besonderheit bei Arkham Horror ist, daß alle Spieler zusammen gegen das Spiel selbst antreten. Die Ermittler der Spieler müssen zusammenarbeiten, um eine Chance gegen ihre Gegner zu haben.
Gespielt wird auf einem großen Spielplan, der neben den wichtigsten Lokalitäten in Arkham auch die fernen Dimensionen des Mythos abbildet. Je nach Stadtviertel werden an den Orten unterschiedliche Ereigniskarten gezogen, die die Spieler mit verschiedenen Gefahren und Hilfen konfrontieren und dabei auch die Geschichte um die Veränderungen in der Stadt erzählen. So macht man beispielsweise
nicht einfach eine Probe, um eine Schrotflinte zu bekommen, sondern der Kartentext schildert kurz eine stimmige Szene, wie der Ermittler die Chance bekommt, die Waffe einem schlafenden Gangster abzunehmen.
An einigen Orten gibt es besondere Möglichkeiten, Ausrüstung zu erwerben oder Schaden zu heilen. Da im Verlauf immer mehr Tore geöffnet werden, wird die Stadt gefährlicher. Immer größer werdende Monsterherden streunen durch die Stadt, und mit der Zeit schließen auch die Geschäfte, wenn die Straßen zu unsicher werden. Gleichzeitig machen die jede Runde gezogenen Mythos-Karten den Spielern noch mit ganz anderen Problemen das Leben schwer. Um zu gewinnen müssen die Spieler alle Tore schließen, bevor der Große Alte zuviel Macht gewinnt. Gelingt ihnen das nicht, manifestiert sich das Monster, und die Spieler bekommen eine letzte Chance, es im Kampf zurückzuschlagen. Gut sind ihre Überlebenschancen dabei allerdings nicht…
Ein großes Plus des Spiels sind die Details, die im Spielmaterial stecken. So gibt es nicht nur 16 verschiedene Ermittler mit jeweils anderen Werten, sondern jede diese Spielfiguren hat auf der Rückseite des Charakterbogens auch eine kleine Hintergrundgeschichte, die zur Stimmung beiträgt. Durch die Vielzahl an Karten wird man mit immer wieder anderen Story-Elementen konfrontiert, die sich plausibel in den Hintergrund einpassen. Allein durch die Charakterzusammenstellung und ein Arsenal von acht verschiedenen Großen Alten, die als Endgegner zur Verfügung stehen und jeweils Besonderheiten in den Spielverlauf bringen, bekommt man immer wieder neue Varianten im Spielverlauf. Während Yig noch relativ harmlos ist, können sich erfahrenere Spieler auch an Cthulhu persönlich die Zähne ausbeißen.
Allerdings darf man nicht verschweigen, daß man für dieses Spiel Zeit und Platz benötigt. Das großformatige Regelheft nutzt die 24 Seiten für ein komplexes Regelsystem, das Zeit zum Erlernen benötigt. Bei der ersten Partie wird man daher oft noch Sachen nachschlagen müssen und einige Fehler machen. Der Spielplan und die Fülle an Karten und Markern erfordern einen großen Tisch. Und die angegebene Spielzeit von zwei bis vier Stunden ist für Anfänger wohl nur durch eine frühe Niederlage erreichbar. Für Arkham Horror sollte man sich schon einen langen Spieleabend reservieren.
Wen diese Komplexität nicht abschreckt, bekommt mit Arkham Horror ein komplexes und spannendes Spiel, das den Cthulhu-Mythos treffsicher einfängt. Das gerade am Anfang der Schwierigkeitsgrad hoch erscheint, halte ich persönlich für einen Vorteil, denn ein kooperatives Spiel sollte nicht schon beim ersten Versuch locker zu schaffen sein. Die bereits auf englisch erschienenen Erweiterungen versprechen auch in Zukunft noch abwechselungsreiche Auseinandersetzung mit den von H.P. Lovecraft ersonnenen Schrecken. Aus meiner Sicht ist Arkham Horror wirklich ein rundum gelungenes Spiel.
Rezension aus Mephisto 34.
Tags: Brettspiel, Heidelberger Spieleverlag, Mephisto Empfehlung
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