Burn after Reading
07.Oktober 2008 Klaus Johann
Die Coen-Brothers Joel und Ethan stehen für skurrilen Witz und schräge Typen. Nicht erst seit Fargo oder Hudsucker war der eine oder andere Zuschauer bereits der Meinung, die Filme der Coens definieren ihr ganz eigenes Genre – eine Theorie, die sich spätestens seit The Big Lebowski, der inzwischen Kult-Status genießt, bewahrheitet hat. Doch nicht nur das: Bei den diesjährigen Academy Awards heimsten die Coens für ihren Independent-Hit No Country for Old Men gleich vier der begehrten Goldjungen ein. Klar, daß man bei deren neuen Streich Burn after Reading abermals einiges erwarten durfte!
Wirklich enttäuscht ist man auch bei dieser Agenten-Burleske, deren “Handlung” man nur schwer in Worte fassen kann, nicht.
Irgendwie geht es um einen Fitness-Trainer (klasse: Brad Pitt), der die CD mit den Memoiren eines Ex-Agenten (John Malkovich) findet und diesen mit seinem “Geheimdienst-Scheiß” erpressen will, während die Frau des Agenten (Oscar für Michael Clayton: Tilda Swinton) eine Affäre mit einem Staatssekretär (George Clooney) hat, der seinerseits mit der Freundin des Fitness-Trainers anbändelt. Alles klar? Nein! Weder die beiden zuständigen Regierungsbeamte (JK Simmons und David Sledge Hammer Rasche), noch der Zuschauer wird am Ende einen größeren Zusammenhang erkennen, was auch nicht wirklich wichtig ist, denn Burn after Reading lebt in erster Linie von den Protagonisten und dem immensen Staraufgebot, daß jede Menge Spielfreude an diesem Kokolores zeigt.
Allerdings schießen die Coens diesmal ein wenig über ihr Ziel hinaus. Zwar kann von so genialen Köpfen nicht verlangt werden, daß sie sich in jedem ihrer Filme neu erfinden, doch stellt sich mitunter ein zumindest kleiner Abnutzungseffekt ein. Ein wenig mehr Story und Sinn hätten dem Film gut getan und so schön schräg wie beispielsweise im Lebowski sind die Charaktere hier nun doch nicht.
Dennoch: Wer nach knapp neunzig Minuten das Kino sowohl mit einem Kopfschütteln als auch mit einem Schmunzeln verläßt, freut sich insgeheim sicher schon auf das nächste Coen-Feature.
7 von 10 Punkten
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