Casino Royale
04.Dezember 2006 Klaus Johann
| Casino Royale |
Was ist nicht alles im Vorfeld über Daniel Craig gelästert worden: Ein blonder Bond sei per se ungeeignet und Craig sei ein Weichei. Die eine oder andere Fraktion forderte sogar im Internet, Casino Royale zu boykottieren. Um es vorwegzunehmen: Daniel Craig ist mindestens dem Ur-Bond Connery ebenbürtig, wenn nicht sogar besser! Kamen die letzten Darsteller in der Rolle, Timothy Dalton und Pierce Brosnan, eher stur bzw. gelackt und damit klischeehaft daher, ist James Bond bei der Interpretation Craigs ein echter Charakter: Hart, zynisch und charismatisch.
Im 21. Bond-Abenteuer (das Thunderbolt-Remake Never Say Never Again nicht mitgerechnet) konfrontiert es den Protagnonisten ausnahmsweise mal nicht mit einem Gegenspieler, der die Weltherrschaft anstrebt. Es geht statt dessen um das aktuelle Thema des internationalen Terrorismus. In einem Pokerspiel soll Bond den Schurken Le Chiffre (Mads Mikkelsen) um sein Geld bringen. Problem: Verliert der Agent, unterstützt England den Terrorismus. Unterstützt wird Bond bei dem Spiel von der attraktiven Vesper (Eva Green), in die er sich verliebt…Casino Royale ist realistischer, ernster und intelligenter als alle bisherigen Bond-Abenteuer zusammen, was allerdings zur Folge hat, daß man den Film nur schwer als Bond-Film identifizieren kann. Hier gibt es weder Miss Moneypenny, einen “Q” oder technischen Firlefanz und das, obwohl Casino Royale – obwohl er in der Gegenwart spielt – ein Prequel ist, in dem sich Bond erst als Agent im Geheimdienst seiner Majestät behaupten muß.
Der (zum Teil schön selbstironische) Agenten-Thriller setzt im Gegensatz zu seinen Vorgängern weit mehr auf Spannung als auf Action, was mit Sicherheit der größte Vorteil ist. Allerdings kommt er über das Fazit “solide” dann doch nicht ganz hinaus: Zu holprig legt das Drehbuch Fährten aus und versucht dabei dramaturgisch zu überraschen. So steht Mads Mikkelsen als Bösewicht nicht so im Mittelpunkt, wie es vielleicht sinnvoll gewesen wäre und auch ein recht abruptes Ende schmälert den Spaß ein wenig.
Nichts desto Trotz: Unterm Strich ist die Frischzellenkur geglückt und auf das nächste Abenteuer, daß für 2008 (wieder mit Craig) bereits beschlossene Sache ist, darf man sich jetzt schon freuen.
Tags: Film
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