Der Heilige Gral und seine Erben

06.Juni 2007 Björn Lippold

Henry Lincoln, Michael Baigent, Richard Leigh
Der Heilige Gral und seine Erben
Lübbe Audio, 4 CDs, 308 Minuten
Gelesen von Sascha Rotermund
ISBN 3-7857-3075-6

Der Heilige Gral und seine Erben ist in gewisser Weise ein Klassiker, dessen Inhalt viele Leute inzwischen kennen, ohne von diesem Buch gehört zu haben, denn es lieferte die Vorlage zur Kernaussage aus Dan Browns Sakrileg: Der Gral sei die Blutlinie von Jesus und Maria Magdalena. Das Team Lincoln, Baigent und Leigh hat in den siebziger Jahren Recherchen für eine Dokumentation über die Templer angestellt und darauf aufbauend eine weitausufernde Verschwörungstheorie entwickelt.

In ihrem Buch behandeln die Autoren die Merowinger, die Templer und die Kartharer – drei Gruppen um die sich diverse Legenden und Gerüchte ranken. Nicht nur versuchen sie, einen Zusammenhang dieser Gruppen so finden, sondern die Spur läuft in Richtung der Ursprünge des Neuen Testaments und dreht sich um die Rolle von Jesus. Dabei mischen die Autoren Gralslegenden, historische Tatsachen, Bibeltexte und apokryphe Textstellen, um scheinbare Widersprüche in der bekannten Historie herauszustellen. Aus ihrer Argumentation wird vor allem die historische Rolle von Jesus und Maria Magdalena verändert und dem Kanon der christlichen Kirche widersprochen (und der katholischen Kirche der Vorwurf der bewußten Manipulation gemacht).

Unabhängig von der Grundaussage gelingt den Autoren, eine Reihe interessanter Fakten und Gerüchte zusammenzuführen. Die Betrachtung der einzelnen Gruppen ist faszinierend und die Argumentation durchaus nachvollziehbar – solange man die kritische Distanz wahrt und sich nicht darin verrennt, in diesem Gegenkonzept zur allgemeinen Lehrmeinung die absolute Wahrheit erkennen zu glauben, nur weil hier der Kirche widersprochen wird. Sascha Rotermund liest dieses Hör(sach?)buch in angemessener Weise. Mir persönlich gefällt allerdings die gedruckte Fassung besser, da ich hier auch auf Bilder und Illustrationen zurückgreifen kann.

(Rezension aus Mephisto 35)

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