Descent

04.Oktober 2007 Björn Lippold

Descent
Fantasy Flight Games, 2-6 Spieler

Das englische Fantasy-Spiel Descent ist ein echtes Schwergewicht, denn der übergroße Karton enthält Dutzende Plastikfiguren, Pappbauteile, Marker, Karten, Würfel usw. Leider ist die Box zwar groß, aber ohne Unterteilungen, so daß die Spielmaterialien sich in ein Chaos verwandeln, wenn man sich nichts einfallen läßt.

Bis zu fünf Spieler suchen sich zunächst Fantasycharaktere aus, die sie in einen Dungeon schicken wollen, dessen Monster der sogenannte Overlord-Spieler kontrolliert. Interessanterweise trifft man hier eine Reihe alter Bekannter aus Runebound wieder.

In gewisser Weise ist Descent ein Rollenspiel light, das mit einem Brettspiel gekreuzt wurde. Die unterirdischen Labyrinthe werden aus Pappteilen zusammengesteckt, auf denen sich Monster und Helden als Plastikfiguren bewegen. Ausrüstung, Ereignisse und fiese Winkelzüge des Overlords gibt es als Karten, und Dutzende von Pappmarker dienen dazu, Verwundungen, Erschöpfung, Vergiftungen etc. darzustellen.

Gleichzeitig haben die Helden noch Trainingskarten, mit denen sie ihre Grundeigenschaften durch weitere Boni aufbessern können. So gibt es beispielsweise Tiervertraute oder die Fähigkeit, auch durch andere Figuren verdeckte Monster zu beschießen.

Die Regel von Descent sind dabei einigermaßen komplex und bieten den Helden viele taktische Optionen. Je nach Fähigkeiten und Waffe werden verschiedene Würfel eingesetzt und gegebenenfalls durch Zusatzwürfel verstärkt. Natürlich werden die Helden im Verlauf des Spiels besser und können auch von einer Partie bzw. Queste zur Nächsten übernommen werden (wobei sie allerdings ihre Ausrüstung wieder verlieren, was für die Spielbalance sicherlich besser ist).

Ein gelungenes Konzept steckt in den Regeln für den Overlord. Die Helden gewinnen das Spiel, wenn sie die Ausgabe lösen. Der Overlord allerdings muß den Helden ihre Conquest-Punkte abnehmen, um zu gewinnen. Conquest-Punkte gibt es für die Helden, wenn sie Teilaufgaben lösen, doch sie verlieren die Punkte, wenn einer ihre Charaktere getötet wird (wobei diese sofort im Dorf wiederbelebt werden und weiter am Spiel teilnehmen können). Außerdem sammelt der Overlord jede Runde Threatpunkte, mit denen er spezielle Ereigniskarten, die er zieht, aktivieren kann. So kann er Verstärkungen ins Spiel bringen, Fallen auslösen oder Monster vorübergehend verstärken, allerdings kann er die schweren Geschütze erst anwenden, wenn er genug Threatpunkte gesammelt hat.

Interessanterweise richtet sich die Stärke der Monster nach der Zahl der Spieler, was auch für ein ausgewogenes Spiel sorgt.m Spiel enthalten sind neun Questen, die von einem sehr einfachen Einstiegsszenario immer schwerer werden. Zwar hat Fantasy Flight Games bereits angekündigt, weitere Questen auf ihrer Website zu veröffentlichen, doch bisher findet man dort nur die Regeln als PDF.

Descent ist kein Spiel für Zwischendurch, denn es dauert einige Zeit, bis man alle Regeln verstanden hat, und auch eine Partie kostet schon mal eine Nacht. Dafür bekommt man ein sehr komplexes und gut gemachtes Fantasy-Spiel, bei dem Dungeoncrawler voll auf ihre Kosten kommen. Nachdem meine Testrunde die erste Queste bestanden hatte, war die Motivation groß, möglichst bald in den nächsten Dungeon zu steigen, wo ich ihnen dann endlich zeigen kann, welche Schrecken der Overlord noch in der Hinterhand hat…

Rezension aus Mephisto 32.

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