DLCs für Dragon Age: Origins

24.August 2010 Ingo Meuter

Die Gamescom ist vorüber und neben vielversprechenden Spielen wie dem kooperativen Fantasy-Action-RPG Hunted: The Demon’s Forge, dem Team-Shooter Brink oder auch exotischen Projekten wie From Dust, bekamen auch Dragon Age-Fans einen ersten, kurzen Einblick in die Fortsetzung von Biowares Erfolgsrollenspiel.
Bis zum Release dauert es allerdings noch mehr als sechs Monate; am 11. März erscheint Dragon Age 2: Ascension (Arbeitstitel) in Europa.

Glücklicherweise gibt das Dragon Age-Universum genug Material her, um sich die Wartezeit unterhaltsam zu gestalten. Neben der offiziellen Erweiterung Awakening, den Büchern zum Spiel bei Panini (Der gestohlene Thron und Ruf der Grauen Wächter) und dem Dragon Age-RPG (Dragon Age Roleplaying Set 1, Dragon Age Game Master’s Kit und Dragon Age: Blood in Ferelden), veröffentlicht Bioware in schöner Regelmäßigkeit Mini-Add-Ons, die Downloadable Content (DLC) genannt werden, und das Hauptspiel um kleinere Nebenquesten, Charaktere oder alternative Geschichten erweitern.
Wir haben für Sie eine Übersicht der bisher verfügbaren DLC-Inhalte zusammengestellt, für wen sie sich lohnen und auf was Sie sich freuen können!

In Stein gefangen
Dieser DLC ist wohl nahezu jedem Dragon Age-Spieler bekannt, befindet sich der Download Code doch als Beilage in jeder DVD Hülle des Originalspiels. Wer sich das Spiel allerdings gebraucht kauft, muss auch für diesen DLC zahlen.

In Stein gefangen (The Stone Prisoner) erweitert den Inhalt des Spiels um ein zusätzliches Questgebiet, ein paar neue Ausrüstungsgegenstände und einen neuen Begleiter.
Ein abgerissener Händler überlässt Ihrem Charakter ein merkwürdiges Artefakt: einen der legendären Golem-Kontrollstäbe. Auf der Spur nach dem dazugehörigen Golem reisen Sie mit Ihrer Gruppe ins abgeschiedene Städtchen Honnleath, hoch in den Bergen Fereldens. Der Weiler wurde nahezu völlig zerstört, die Bevölkerung erschlagen, verschleppt oder gefangen genommen und das Einzige, was sich noch zwischen den brennenden Ruinen der Stadt bewegt, sind blutrünstige Plünderer der Darkspawn. Nach einigen kurzen, wenig anspruchsvollen Kämpfen gegen typische Darkspawn Soldaten und einer Queste, bei der Sie gefangene Dorfbewohner retten können, finden Sie tatsächlich den Golem. Unbeweglich und starr, bedeckt mit Vogeldreck und Moos, reckt der steinerne Koloss seit Jahrzehnten seine Arme in den Himmel und harrt seiner Wiedererweckung.
Dies ist Shale, ein uralter Golem aus den zwergischen Schmieden Cailans. Doch statt einer willenlosen Kampfmaschine stellt sich Shale als vollwertigen Begleiter und auf Wunsch, guter Freund Ihres Helden heraus. Die Implementierung des Charakters in den Hauptplot funktioniert reibungslos. Sämtliche Gefährten reagieren auf Shale, verwickeln den Golem in Gespräche und jeder Spieler ist gut beraten, den steinernen Krieger mit in die Tiefen Straßen zu nehmen – die Charakterquest von Shale ist es mehr als wert.

In Stein gefangen weckte hohe Erwartungen an den Rest der DLC-Inhalte, war eigentlich aber ein Etikettenschwindel, da der DLC ursprünglich als fester Bestandteil von Dragon Age: Origins geplant war. Nachdem Shale zunächst als NPC Begleiter konzipiert war, wurde die Questreihe 2008 ersatzlos gestrichen, nur um nach der Verschiebung des Spiels auf das Jahr 2009, als Download Inhalt nachgeschoben zu werden.
Gut, dass sich die Entwickler zu diesem Schritt entscheiden konnten, denn In Stein gefangen ergänzt den Plot des Hauptspiels um eine dramatische Queste und einen einzigartigen Charakter.
Interessant für: alle Dragon Age Spieler
Preis: Gratis, oder ca. 15 Euro für Secondhand-User

Wächterfestung (Warden’s Keep)
Die Festung Soldatengipfel ist seit Jahrhunderten verlassen und verwaist, ein Ort der Schatten und ein Hort von Dämonen der Vergangenheit. Die düstere Festung im Norden des Reiches markiert den Ort, an dem die Grauen Wächter einst den Thron von Ferelden verrieten und ins Exil geschickt wurden.
Im DLC Wächterfestung schließt sich Ihre Gruppe einem jungen Waffenhändler und Vertrauten Duncans an, der Sie bittet, ihn zum Soldatengipfel zu begleiten, um herauszufinden, was seine Vorfahren mit den Geschehnissen in der Festung zu tun hatten. Nebenbei möchte Levi außerdem herausfinden, ob sich die alte Festung als Heerlager für die Armee des Helden eignet, und ob an den Schauergeschichten von Teufeln und Dämonen tatsächlich etwas dran ist.
Die Prämisse klingt spannender, als es die Umsetzung dann tatsächlich ist.
Anstatt die Geschichte interaktiv zu erleben, werden die Geschehnisse auf Soldatengipfel mittels kurzer Cut-Scenes erzählt. Ihr Held spürt die Erinnerung der Geister, die an diesem Ort lauern, und verbringt dann die nächsten ein, zwei Stunden damit, eben jene zu Protoplasmamatsch zu verarbeiten. Und auch wenn die NPC in Soldatengipfel die wohl blassesten Charaktere des gesamten Spiels sind – die Geschichte des Ortes selbst ist interessant, trägt zum Flair der Welt bei und hilft Ihnen als Spieler, sich Ihrer historischen Aufgabe als junger Wächter bewusst zu werden.

Abgesehen vom Hof der Feste spielt die gesamte Handlung in wenig abwechslungsreichen Keller-Leveln. Neben Levis Queste finden sich auch noch zwei kurze Nebenquesten, einige neue Ausrüstungsgegenstände (darunter eine historische Plattenrüstung der Wächter inklusive Schwert und Armbrust) sowie neue Talente, sofern man die entsprechende Entscheidung trifft. Dieses funktioniert ärgerlicherweise nicht im Awakening Add-On. Wenn Sie die Geister (und Skelette) der Vergangenheit erst einmal erschlagen haben, kann man die Festung selbst leider nicht mehr betreten. Den Rest Ihrer Armee-in-der-Mache interessiert Ihre neue Festung übrigens nicht die Bohne; Ihre Gefährten und Verbündeten campieren weiterhin auf der grünen Wiese. Schade, dass die Entwickler das Potenzial der Festung nicht umfangreicher genutzt haben.
So erhalten Sie statt einer eigenen Burg eine Holzkiste, die Ihr recht begrenztes Inventar erweitert, einen neuen Handelsplatz und eine Menge Gold, das Sie am Besten in einige schöne Gegenstände aus den Schmieden Orzammars investieren. Sollten Ihre Recken also chronisch pleite sein, Sie selbst aber 7 Euro für den DLC übrig haben, ist Soldatengipfel definitiv eine Reise wert.

Doch vorausgesetzt, Sie besuchen die Feste nicht mit Level 3 ist der erste “richtige DLC” auch auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad gerade einmal ein Sonntagsausflug, und auch die obengenannte Ausrüstung wird schnell durch bessere ersetzt, sofern Sie die Wächterfestung nicht gleich als erste Queste angehen.
Interessant für: Überzeugte Fans, die die ganze Geschichte erleben wollen, bettelarme Drachentöter
Preis: ca. 7 Euro
Spieldauer: 1-2 Stunden

Rückkehr nach Ostagar
In Die Rückkehr nach Ostagar reisen Sie ins Herz der Darkspawn Armee, zurück zu dem Ort, an dem die Grauen Wächter und König Cailan von Teyrn Loghain verraten wurden, zurück zu dem Ort, an dem Duncan starb, und der König fiel.
Falls Sie sich fragen, weshalb Sie ausgerechnet während einer “Darkspawn Blight” ins Zentrum der feindlichen Armee schleichen sollen, sei Ihnen gesagt, dass es dafür einen guten Grund gibt:
Wenn Sie Rückkehr nach Ostagar im EA-Store erwerben, stolpern Ihre Helden nach einiger Zeit über eine Gruppe Auftragsmörder, die es auf einen ehemaligen Leibwächter des verblichenen Königs abgesehen haben. Kurz bevor dieser sein Leben aushaucht, teilt er Ihnen allerdings noch mit, dass Cailan am Tag der Schlacht einen Umschlag mit wichtigen Geheimdokumenten mit sich führte, die auf keinen Fall den Schergen des finsteren Bann Loren oder Loghain selbst in die Hände fallen dürfen. Nicht zuletzt liegt auch noch der Leichnam des toten Königs mitsamt seiner unschätzbar wertvollen Rüstung im Matsch der Wildnis Korkharis!

Gesagt, getan – mit Ihren Verbündeten im Schlepptau (Sie sollten Alistair und Wynne mit in Ihrer Gruppe haben) erreichen Sie die Ruinen Ostagars, die nur so vor Darkspawn wimmeln. Schon nach kurzer Zeit und einigen kurzweilig inszenierten Scharmützeln begegnen Sie einem mächtigen Nekromanten der Dunklen Brut, der für die nächsten Stunden als Antagonist fungiert. Sie machen sich also auf die Suche nach den sterblichen Überresten Cailans, sammeln unterwegs Teile seiner goldenen Rüstung ein, und treten dem Oger gegenüber, der ihn getötet hat. Nett inszeniert, mehr aber auch nicht.
Wie schon Duncans Tod, hat auch das Ableben des Königs, fünf Minuten nach dem Sie den leichtsinnigen Jungspund kennengelernt hatten, nur wenig emotionale Schlagkraft für Sie. Und auch wenn die Dialoge von Alistair und Wynne durchaus lebendig und mitfühlend geschrieben sind, lässt Sie Rückkehr nach Ostagar das Grauen Ihrer Gefährten eher als unbeteiligter Besucher erleben. Anders als noch in In Stein gefangen haben die Ereignisse, die Sie in Ostagar erspielen, keine direkte Auswirkung auf den Rest des Abenteuers. Selbst wenn Sie mit Schild, Schwert und Wappenschild des toten Königs auf dem Landsmeet in Denerim auftauchen, gibt kein NPC auch nur einen Kommentar dazu ab – wirklich schade und im Kontrast zum integrativen Aufbau des Spiels eine deutliche Schwäche.

Wenn Sie allerdings diesen Teil der Geschichte auch noch erleben möchten, Ihrem Charakter, Alistair und Wynne den Abschluss gönnen, oder vielleicht selbst Duncans Waffen führen wollen, um den schimmeligen Darkspawn für ihre Taten zahlen zu lassen, sollten Sie die 3,50 Euro investieren.
Rückkehr nach Ostagar bietet den gleichen spielerischen Gewinn wie die Wächterfestung, bietet einige filmische Kampfszenen, lässt allerdings optionale Lösungswege vermissen und bleibt damit das schwächste (aber auch günstigste) der DLCs.
Interessant für: Achievementsammler, Spieler mit Krieger-Charakteren und Königstreue
Preis: ca. 3,50 Euro
Spieldauer: 1-2 Stunden

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