Niemandsland (Cthulhu)
01.Juli 2009 Björn Lippold
Die Charaktere einer typischen Cthulhu-Kampagne in den 20er Jahren dürften ihn erlebt haben: den 1. Weltkrieg. Mit Niemandsland nimmt sich nun ein Quellenbuch dieser Epoche an und verlegt die Handlung in die Kriegsjahre von 1914-1918.
Wie von Cthulhu-Quellenbüchern gewohnt widmen sich die Autoren zunächst ausführlich der Geschichte. Zunächst werden die politischen Entwicklungen beleuchtet, die in dem Weltkrieg gipfelten. Die Beschreibung der Kriegsführung und der Verlauf einzelner Schlachten macht den Krieg an vielen Stellen plastischer: Grabenkrieg, Artillerieschlachten, Giftgas, die ersten Panzer und Luftschlachten werden detailliert beschrieben. Mit Charakterergänzungen, Spielwerten und Regeln für Schlachten werden diese Dinge auch regeltechnisch erfaßt.
Die zweite Hälfte des Buchs besteht aus drei Abenteuern. Schwarzer Sand verschlägt die Charaktere zu Beginn des Kriegs nach Afrika, wo sie ein Heilmittel für einen Freund finden müssen. Ein Sommenachtsalptraum versetzt die Ermittler an die Front und konfrontiert sie mit mehr als nur den Kriegsschrecken, während es bei Wir fahren gen Engeland um ein militärisches Geheimprojekt geht.
Grundsätzlich gibt es an Niemandsland von der Aufmachung nichts auszusetzen, auch wenn die Bilder toter Soldaten passend, aber nicht besonders geschmackvoll sind. Der 1. Weltkrieg wird sehr umfassend dargestellt. Auch die Abenteuer sind von der Idee her abwechselungsreich und spannend.
Allerdings finde ich den ganzen Hintergrund prinzipiell eher ungeeignet, denn der 1. Weltkrieg ist mir für ein Spiel zu ernst – und gegen den Schrecken des Kriegs wirkt der Horror des Mythos eher banal. Dies fällt auch beim zweiten Abenteuer auf, wo beide Elemente gemischt werden, was der Historie nicht gerecht wird. Niemandsland ist ein handwerklich gutes Quellenbuch, doch das Thema erscheint mir persönlich spieltechnisch einfach ungeeignet.
(Rezension aus Mephisto 40)
Tags: Cthulhu, Horror, Pegasus, Rollenspiele
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