Rolemaster Grundregelwerk

11.September 2008 Björn Lippold

Coleman Carlton, John Curtis u.a.
Rolemaster Grundregelwerk
Sonnenfeste, 13Mann Verlag, 288 Seiten, 39,95
ISBN 978-3-9811718-0-8

In einer Zeit, in der von allen möglichen Systemen die vierten Editionen produziert werden, erscheint mit dem Rolemaster Grundregelwerk ein Klassiker unter den Rollenspielsystemen auf deutsch.

Auch wenn das System von Rolemaster in der englischen Version schon vor langer Zeit veröffentlicht wurde, hat das System im Gegensatz zu seinem „kleinen Bruder“ MERS in Deutschland nie richtig Fuß gefaßt. Um so überraschender erscheint es, daß nun eine deutsche Neuauflage des Systems aufgelegt wird.

Grundsätzlich ist Rolemaster ein generisches Fantasy-Rollenspiel, das den konkreten Hintergrund dem Spielleiter überläßt und ihm im wesentlichen die passenden Regeln als Werkzeug an die Hand gibt. Im Grundregelwerk werden die entsprechenden Grundlagen zu Charaktererschaffung, Würfelsystem und Kampf vermittelt und im Anhang entsprechende Völker, Berufe, Zauber, Ausrüstung etc. geliefert.

Das System von Rolemaster basiert auf Prozentwürfen und einem ganzen Arsenal von Tabellen. Schon die in verschiedene Phasen gegliederte Charaktererschaffung ist komplex, erlaubt so aber auch die persönliche Anpassung der Spielfigur.

Besonders hart sind bei Rolemaster die Kämpfe, da es hier nicht nur um Trefferpunkte, sondern auch um kritische Treffer geht. Dank seitenlanger Tabellen kann ein guter Schlag den Gegner auch schon mal Körperteile kosten, sein Leben durch massiven Blutverlust bedrohen oder ihn sofort töten. In dieser Hinsicht ist Rolemaster einigermaßen gnadenlos.

Doch nicht nur Kämpfer gehören zu den typischen Charakterklassen, sondern das System bietet auch verschiedene Voll- und Teilmagier. Das Magiesystem bietet den verschiedenen Arten von Magiern gut 500 Sprüche, allerdings werden diese eher tabellarisch abgehandelt.

Das komplexe Charaktererschaffungssystem erlaubt Spielern den Entwurf recht vielseitiger Charaktere und auch das Regelsystem ist durchaus durchdacht. Ob man die Kämpfe wirklich so gefährlich haben will, muß jeder selbst entscheiden, aber es ist nicht unrealistisch, wenn auch ein schwacher Kämpfer mit einem Glückstreffer viel erreichen kann.

Grundsätzlich bietet Rolemaster ein umfangreiches Rollenspielsystem, das viele Aspekte des Spiels abdeckt. Allerdings ist mir dieses System etwas zu tabellenlastig, denn viele Dinge wird man nachschlagen müssen, und die Tatsache, daß die Anhänge länger als das Buch sind, spricht in dieser Hinsicht Bände. Auch wird jetzt schon an vielen Stellen auf Folgebände verwiesen. Wer für Monster mehr als zwei Tabellen Werte braucht, der wird wohl auch um das entsprechende, sehr umfangreiche Buch nicht herumkommen.

Am Ende ist mir Rolemaster ein wenig zu viel Regelwerk und hätte trotz Universalität etwas mehr Hintergrund gebrauchen können. Auch die Bebilderung ist für heutige Zeiten arg karg. Wen umfangreiche Regeln und Tabellen aber nicht schrecken und wer ein durchdachtes und hartes Fantasy-System sucht, dem er seinen eigenen Hintergrund verpassen kann, der sollte sich aber Rolemaster einmal anschauen, denn was die schiere Menge an Inhalten angeht, lassen die angekündigten Ergänzungen viel erwarten.

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