Roter November
21.Juni 2009 Björn Lippold
Die Roter November hätte der Stolz der gnomischen Marine sein sollen. Leider entwickelt sich das U-Boot zur Todesfalle für die Besatzung: der Reaktor überhitzt, die Luftversorgung versagt, die Maschinen treiben das Boot in tödliche Tiefen, ein gigantischer Krake greift an, Feuer brechen aus und Wasser bricht ein…
Die Spieler müssen bei diesem kooperativen Spiel ein aus zehn Räumen bestehendes Boot sechzig Minuten lang vor dem drohenden Untergang bewahren, während eine Katastrophe der anderen folgt.
Das Spielprinzip von Roter November ist ungewöhnlich und dreht sich um die Zeitleiste als zentrales Element. Die Bewegung im Schiff und die Reparaturaktionen im Schiff kosten Zeit, und der aktive Spieler führt seinen Zug durch, während die Zeit, die er benötigt, auf der Zeitleiste abgehakt wirkt. Erst wenn der Zug beendet ist, bewegt sich sein Marker auf der Zeitleiste und überschreitet dabei immer wieder Markierungen. Für manche Markierungen gibt es Gegenstände wie Werkzeug, doch die meisten Marker weisen auf weitere Probleme hin, die in Form von Karten gezogen werden. Bei diesem System ist immer der Spieler an der Reihe, der auf der Zeitleiste am weitesten hinten steht. Tückisch wird das Ganze dadurch, daß der Spieler entscheiden muß, wieviel Zeit er für eine Reparatur verwenden will. Je mehr Zeit er investiert, desto höher ist die Erfolgschance. Doch viel Zeit verbleibt der Besatzung nicht, ihr Schiff zu retten, mißlingt allerdings eine zu kurz geplante Reparatur, ist diese Zeit völlig verschwendet.
Um die Roter November zu retten, müssen die Spieler viele Probleme lösen. So gibt es drei Statusanzeigen, die nicht in den roten Bereich kommen dürfen, was sich nur durch kontinuierliche Reparaturen an den Systemen verhindern läßt. Manchmal treten auch spontane Probleme auf, wie das der Krake das Schiff verschluckt oder die Roter November ihre Raketen abfeuern will. Die Probleme müssen innerhalb einer bestimmten Zeit gelöst werden, um der Vernichtung zu entkommen. Schließlich verklemmen Luken und müssen langwierig aufgebrochen werden. Wasser dringt ins Schiff und verteilt sich, behindert die Gnome und bedroht sie mit Ertrinken. Und dann gibt es noch Feuer, die die Luft knapp und Räume unpassierbar machen und sich außerdem ausbreiten können.
Allerdings gibt es Ausrüstung im Schiff, die den Gnomen die Arbeit erleichtert oder manchmal erst möglich macht. So kann beispielsweise kein Gnom ohne Feuerlöscher oder Flasche Grog ein Feuer löschen. Während der Grog recht universell hilft, macht er die Gnome auch sukzessive betrunken, was bedeuten kann, daß sie sich für 10 Minuten ein Schläfchen gönnen – was bei nur 60 Minuten Zeit eine tödliche lange Zeit sein kann. Auch kann es dann zumindest für den individuellen Matrosen tödlich enden, weil ein Wassereinbruch oder ein Feuer ihn im Schlaf überrascht. Wenn dann auch noch der Krake zuschlägt, muß ein wagemutiger Gnomenmatrose mit Taucheranzug und idealerweise Harpune das Schiff verteidigen…
Roter November ist ein lustiges Spiel, bei dem die Spieler gut zusammenarbeiten müssen, um die sich ständig mehrenden Probleme in den Griff zu kriegen. Die dauernden Katastrophen halten die Spieler gut beschäftigt, doch dadurch wird das Spiel temporeich und erfordert nicht soviel Spielzeit wie andere kooperative Brettspiele. Allerdings spielt bei Roter November auch das Glück eine stärkere Rolle, bzw. das Pech, denn wenn in den falschen Räumen Feuer ausbricht und sich schlimmstenfalls ausbreitet, Reparaturaktionen trotz langer Arbeitszeit scheitern, kann eine Reaktorschmelze oder das Ende der Sauerstoffversorgung schneller kommen, als man denkt. Wem diese Höllenfahrt jedoch noch zu ruhig ist, der findet in den Regeln auch noch ein paar Varianten, um die Schwierigkeit ein bißchen anzuziehen, inklusive der Idee, daß sich Gnome mit den Brechstangen niederschlagen und gegen Ende vom U-Boot absetzen können, um nicht mit unterzugehen.
Roter November ist ein kurzweiliges und chaotisches Kooperationsspiel. Mit einem bißchen schwarzen Humor und dem nötigen Glück, um die U-Boot-Katastrophe zu überstehen, ist dieses kleinformatige Brettspiel ein echtes Highlight.
(Rezension aus Mephisto 43)
Tags: Brettspiel, Heidelberger Spieleverlag, Mephisto Empfehlung
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