Warhammer 7. Edition
08.August 2007 Klaus Stanjek
| Warhammer 7. Edition Games Workshop, 288 Seiten ISBN 1-84154-787-5 |
Gerade erst hat man sich an die sechste Edition von Warhammer gewöhnt und langsam damit begonnen, die taktischen Feinheiten mehr und mehr zu begreifen, da bricht wie aus heiterem Himmel schon die nächste Edition in die bislang heile Welt. Tatsächlich mag man im ersten Moment versucht sein, an einen überflüssigen und eher marktstrategisch-orientierten Schritt zu glauben.
Doch wer die Entwicklung des wohl bekanntesten Tabletop-Spiels in den letzten Jahren verfolgt hat, dem kann auch nicht entgangen sein, daß sich trotz einer längst überfälligen Änderung des Grundkonzeptes und vielen positiven, neuen Ansätzen in der sechsten Edition mit der Zeit dennoch einige Balanceprobleme eingestellt haben: Manche Armeen waren einfach zu sehr ins Hintertreffen geraten, während andere wiederum ganz eindeutig herausstachen und von den Grundregeln in überproportionaler Weise profitierten. Außerdem galt es, die Erfahrungen, die unzählige Spieler rund um den Globus mit den (neuen) Regelkonzepten der sechsten Edition gesammelt hatten, endlich einmal einzubringen und gebündelt festzuhalten. Schließlich lebt jedes Spiel, das ähnlich komplex wie Warhammer funktioniert, geradezu von der stetigen Interaktion mit der wachsenden Fangemeinde und stirbt in dem Moment, wo es nur noch statisch vor sich hindämmert. Dies sind also viele gute und wichtige Gründe also, die geradezu nach einer Neuauflage verlangen – wenn sie denn mit Augenmaß geschieht und die positiven Änderungen der sechsten Edition nicht sofort wieder einkassiert. Dies ist der Anspruch, der an die neue Edition anzulegen ist – ein nicht gerade leichtes Vorhaben. Doch soviel sei bereits an dieser Stelle gesagt: Es ist geglückt! Alessio Cavatore und seine Kollegen haben in jeglicher Hinsicht Fingerspitzengefühl bewiesen und eine wirklich überzeugende, neue Edition vorgelegt.
Formal kommt das neue Grundregelbuch in gewohnt guter und routinierter Machart daher. Insgesamt hat es hier sogar noch deutliche Verbesserungen zu seinem Vorgänger: Der Aufbau ist klarer und systematischer strukturiert, wodurch vor allem dem Neueinsteiger die Lektüre ganz erheblich vereinfacht wird. Eine erhöhte Übersichtlichkeit erlaubt dem Jung-General eine bessere Aufnahme der nicht immer ganz leichten Regelkost, wobei auch der altgediente Veteran davon profitieren wird, daß der veränderte Textaufbau das Nachschlagen ungemein erleichtert. Langes Suchen und unnötiges Blättern sollte damit endgültig der Vergangenheit angehören – nicht zuletzt auch deshalb, weil endlich ein vollständiger und geradezu vorbildlicher Index erarbeitet worden ist. Die deutsche Übersetzung ist dabei im Gegensatz zu seinem unmittelbaren Vorgänger ebenfalls etwas runder und flüssiger geworden (wobei dies allerdings nach wie vor das eher stiefmütterlich behandelte „Kellerkind“ bei GW bleibt!). Ansonsten besticht die siebte Edition wieder einmal mit hervorragenden Illustrationen aus allen Zeitabschnitten der mittlerweile doch langen Erfolgsgeschichte von Warhammer. Ein umfassender Schaukasten zeigt in beeindruckender Weise die Vielfalt der z.T. neuen Modelle und informiert in wohldosierter Weise über Aussehen, Stil und Charakter der einzelnen Armeen der Warhammer-Welt.
Abgeschlossen wird das Grundregelbuch schließlich mit einer spannend zu lesenden Übersicht über die wechselvolle Geschichte der leidgeprüften Alten Welt. Gerade auch der Neueinsteiger findet hier die unentbehrlichen Hintergrundinformationen, um einmal seine eigenen, stimmungsvollen Kampagnen zu entwerfen.
Die zweite große Frage beschäftigt sich hingegen mit den konkreten, inhaltlichen (Regel-) Änderungen. Was hat sich hier getan? Zuerst einmal die Beruhigung vorweg: Warhammer ist kein komplett, neues Spiel geworden – im Gegenteil! Niemand braucht seine alten Bücher wegzuwerfen. Der Übergang zwischen der sechsten und der siebten Edition verspricht vielmehr, angenehm reibungsfrei zu werden. Entsprechend sind die Regeländerungen auch außerordentlich maßvoll – aber dennoch sorgfältig – ausgefallen und dienen vor allem dazu, mit alten „Mißständen“ aufzuräumen: Wichtigste Änderung hierbei ist wohl die Erhöhung der Modellanzahl pro Glied auf fünf Modelle, um den Gliederbonus zu erhalten. Hier werden sich mit Sicherheit manche interessante Neuerungen in der Aufstellung ergeben, und alte Stereotype obendrein aufgebrochen. Ebenfalls bemerkenswert ist die neue, verbesserte Funktion der Armeestandarte, die künftig mit einer gewöhnlichen Einheitenstandarte kombiniert werden kann. Bislang war eine Armeestandarte eher entbehrlich. Dies wird sich wohl zukünftig ändern. Außerdem wurde die Reihenfolge in der Nahkampfphase präzisiert: Jeder einzelne Nahkampf wird nunmehr komplett abgehandelt, einschließlich Fliehen und Verfolgen. Dies klärt die Reihenfolge der Kämpfe und kann eventuell auch dazu führen, daß eine Einheit bei einer Verfolgung in den Feind zweimal pro Runde kämpfen kann. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Änderung in der Praxis bewähren wird, und welche neuen, strategischen Möglichkeiten sich damit ergeben.
Auch ansonsten wurden bestehende Unklarheiten (etwa zum Beschuß; Angriffsreaktionen und Fluchtbewegungen) in der neuen Fassung weitgehend ausgeräumt. Um die vielen kleinen Änderungen im Einzelnen aufzuzählen, fehlt hier der Raum, doch soviel sei gesagt: Warhammer bleibt spannend und abwechslungsreich.
Einziges Manko des neuen Bandes ist die Tatsache, daß die tabellarische Übersicht der relevanten Spielwerte für die einzelnen Armeen (wieder einmal) lücken- und mitunter auch fehlerhaft ist. Hier hätte ein wenig mehr Sorgfalt sicherlich gut getan. Dies ist insgesamt gesehen jedoch eine relative Kleinigkeit, die den ansonsten rundum positiven Gesamteindruck kaum zu trüben vermag.
Fazit: Das neue Grundregelwerk für die siebte Edition gibt ein durchaus überzeugendes Gesamtbild ab: maßvoll, übersichtlich und mit Sicherheit spielfördernd. Also: Laßt die Spiele beginnen! Bleibt nur zu hoffen, daß die neuen Armeebücher an diesen hohen Standard anknüpfen können.
(Rezension aus Mephisto 35)
Tags: Games Workshop, Table-Top, Warhammer
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