Watchmen
16.März 2009 Klaus Johann
Wir schreiben das Jahr 1985: In einer alternativen Realität, in der einst eine Gruppe von selbsternannten Superhelden existierte, steht die Welt vor dem Abgrund. Eine symbolische Uhr rückt immer weiter gen 12 Uhr und deutet den bevorstehenden atomaren Erstschlag an. Doch die Zeit der Helden ist längst vorbei, seitdem die Menschheit diese zwiespältig beäugt. Als der einstige Superheld “The Comedian” brutal ermordet wird, ist den noch verbleibenden Helden schnell klar, dass auch sie sich auf der Todesliste des unbekannten Killers befinden. Mehr oder weniger vereint versuchen sich die Verbleibenden zusammen zu raufen, um sowohl sich selbst als auch die Menschheit vor der sicheren Vernichtung zu bewahren. Doch ist es die Erde tatsächlich noch wert, gerettet zu werden?
Wer bei der von Regisseur Zach Snyder (300) inszenierten Comicverfilmung Popcorn-Mainstream wie Spiderman oder Fantastic Four erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Vielmehr handelt es sich bei dem zwischen Gesellschaftsdrama, Satire und Kunstfilm gemixten Abenteuer um höchst anspruchsvolle Unterhaltung, die eher in die Fußstapfen von V for Vendetta und Sin City tritt, dabei aber noch eine ganze Portion Philosophie oben drauf legt.
Die Watchmen sind keine Helden und waren es eigentlich auch nie, statt dessen sind es selbstgerechte Rachengel, die nicht mehr wissen für wen oder was sie kämpfen. Der Comedian ist beispielsweise ein Frauen verachtender Sadist, und Rorschach, für den seine Maske inzwischen eher sein Gesicht ist als das eigentliche, ist ein von Hass getriebener Psychopath. Dr. Manhatten hingegen, der als einziger der Wächter wahrhaftige Superkräfte besitzt, ist mittlerweile zu einem Gott gleichen, transzendenten Wesen mutiert, das beinahe jeden Bezug zur Menschheit selbst verloren hat. Die restlichen Helden der Gruppe hingegen sind andererseits so wenig besonders, dass sie kaum noch Beachtung finden.
Wie das Superheldengenre auf diese Weise ausgehebelt wird, ist so desillusionierend wie genial.
Watchmen ist fast drei Stunden lang, zieht den Zuschauer aber geradezu hypnotisch in seinen Bann, so dass die Überlänge kaum auffällt. Schön auch, dass sich der Film jede Menge traut: Er nimmt sich einerseits Zeit für seine Figuren. Selbst die Geschichte des Comedians, der zu Beginn des Films zu Tode kommt, wird dabei in Rückblenden hinreichend erzählt. Andererseits springt die Geschichte innerhalb der alternativen Realität durch die Zeiten, was ihn bis zum schockierenden Ende unvorhersehbar macht.
Der auf den DC-Comics basierende Film, hat einen starken Soundtrack, erzeugt eine enorme, visuelle Wucht und lebt von seinem originellen Plot.
Ein Film, der noch lang nach dem Kinobesuch nachwirkt und die Latte des Genres um eine weite Klasse nach oben legt.
10 von 10 Punkten
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