World Trade Center
05.Oktober 2006 Klaus Johann
Am 11.09.2001 wurden die beiden Polizisten John McLoughlin (Nicolas Cage) und Will Jemeno (Michael Pena) wie viele andere Retter beim Einsturz des World Trade Centers verschüttet. Dieser Film konzentriert sich aus Sicht der beiden Protagonisten auf die Katastrophe, deren Familien und Retter.
Viele Kritiker warfen Regisseur Oliver Stone (JFK, Alexander) vor, einen unpolitischen Film gedreht zu haben. In der Tat – WTC ist unpolitisch, doch ist es Stones gutes Recht, ein Drama zu drehen. Der Vorwurf muß statt dessen darin bestehen, daß Stone eine beinahe anspruchslose Seifenoper auf TV-Niveau gedreht hat.
Der Beginn zeigt angenehm unspektakulär, wie die Polizisten den Angriff erfahren haben und das Team um McLoughlin verschüttet wird. Doch von diesem Moment an läuft Stone die Inszenierung aus dem Ruder. Ambitioniert versucht er zwar, die Feuerwehrmänner als die eigentlichen Helden in den Vordergrund zu stellen, doch verwechselt er Epik immer mehr mit schwülstigem Pathos und uramerikanischer Heldenverehrung.
Kitsch und Klischees wie ein gottesfürchtiger Marine, der sich im Auftrag des Herren handeln sieht, oder etwa ein ehemaliger Sanitäter, der sich erst durch das Unglück seiner Berufung klar wird, lassen das Drama oft unfreiwillig komisch wirken. Und wenn die Verschütteten Visionen von Jesus bekommen, glaubt auch der Zuschauer allmählich, zu viel Trümmerstaub eingeatmet zu haben.
Neben einigen wirklich guten Momenten (die klaustrophobische Atmosphäre des Verschütteten-Szenarios ist wahrlich beklemmend) ist der Rest leider nur öde Gefühlsduselei, so daß einen das World Trade Center emotional gänzlich kalt läßt – und das ist wohl der größte Vorwurf, den man Stone machen kann.
5 von 10 Punkten
Tags: Film
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